Glossar

Die wichtigsten medizinischen Begriffe rund um Nierenerkrankungen bei Hunden— verständlich erklärt.

47 Begriffe

A

Amlodipine (Kalziumkanalblocker)

(Amlodipin, Amodip, Norvasc)Medikament

Amlodipine ist ein Kalziumkanalblocker und das Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) bei Hunden. Es senkt den Gefäßwiderstand und damit den Blutdruck. Typische Dosierung: 0,625–1,25 mg pro Hund einmal täglich. Nebenwirkungen sind selten, gelegentlich Zahnfleischwucherungen bei höheren Dosen.

Praxistipp: Blutdrucksenkung ist bei Werten über 160 mmHg dringend indiziert, um Augen und Nieren zu schützen.

Appetitanreger

(Mirtazapin, Capromorelin, Entyce)Medikament

Mirtazapin (als Tablette oder transdermales Gel) und Capromorelin (Entyce) sind bei Hunden mitCNI-bedingter Appetitlosigkeit eingesetzte Medikamente. Mirtazapin wirkt über Serotonin-Antagonismus, Capromorelin über Ghrelin-Rezeptoren. Beide können die Futteraufnahme und das Körpergewicht verbessern.

Praxistipp: Mirtazapin-Pflaster (Mirataz) kann einmal alle 48 Stunden auf das innere Ohr aufgetragen werden — praktisch für Hunde, die Tabletten verweigern.

Renale Anämie

(renale Anämie, Blutarmut)Diagnose

Bei fortgeschrittener CNI produzieren die Nieren zu wenig Erythropoetin (EPO), das für die Bildung roter Blutkörperchen notwendig ist. Die daraus resultierende Anämie führt zu Blässe der Schleimhäute, Schwäche, Lethargie und verminderter Belastungstoleranz. Der Hämatokrit (HKT) ist oft deutlich erniedrigt.

Praxistipp: Blasse oder weiße Zahnfleisch bei Ihrem Hund kann auf Anämie hinweisen. Normales Zahnfleisch ist rosafarbig.

B

Benazepril (ACE-Hemmer)

(Fortecor, ACE-Hemmer)Medikament

Benazepril ist ein ACE-Hemmer (Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmer), der bei Hunden mitProteinurie eingesetzt wird. Er reduziert den Filtrationsdruck in den Glomeruli, vermindert den Eiweißverlust im Urin und kann die CNI-Progression verlangsamen. Wird auch bei Bluthochdruck ergänzend zu Amlodipine eingesetzt.

Praxistipp: Regelmäßige Kontrolle von Blutdruck, Kreatinin und Kalium ist unter ACE-Hemmer-Therapie wichtig.

Blutdruckmessung bei Hunden

(Doppler, Oszillometrie, HDVM)Laborwert

Die Blutdruckmessung bei Hunden erfolgt nicht-invasiv mit Doppler-Methode oder Oszillometrie, meist am Schwanz oder Vorderbein. Aufgrund des sogenannten „White-Coat-Effekts" (Stress in der Praxis erhöht den Blutdruck) sollten mehrere Messungen nach einer Ruhepause erfolgen. Empfohlen: 5–7 Einzelmessungen, Mittelwert bilden.

Praxistipp: Bringen Sie Ihr Hund 10–15 Minuten vor der Messung in die Praxis, damit sie sich beruhigen kann.

C

CNI – Chronische Niereninsuffizienz

(CKD, Chronische Niereninsuffizienz, Chronische Nierenerkrankung)Diagnose

Die chronische Niereninsuffizienz (CNI), international auch Chronic Kidney Disease (CKD) genannt, ist eine irreversible, fortschreitende Abnahme der Nierenfunktion. Die Nieren verlieren schrittweise die Fähigkeit, Stoffwechselprodukte zu filtern, den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt zu regulieren und Hormone zu produzieren. CNI ist die häufigste Nierenerkrankung bei Hunden undbetrifft besonders ältere Tiere (ab ca. 7 Jahren).

Praxistipp: CNI ist nicht heilbar, aber durch Diät, Medikamente und regelmäßige Kontrollen sehr gut managebar. Viele CNI-Hunde leben noch Jahre mit guter Lebensqualität.

D

Darbepoetin / Erythropoetin (EPO)

(Erythropoetin, EPO, Aranesp)Medikament

Darbepoetin alfa ist ein synthetisches Erythropoetin-Analogon, das die Bildung roter Blutkörperchen stimuliert und bei renaler Anämie eingesetzt wird. Es wird subkutan injiziert. Wichtige Nebenwirkung: Bildung von Antikörpern gegen körpereigenes EPO (Pure Red Cell Aplasia) — ein seltenes, aber ernstes Risiko. Eisenergänzung ist begleitend oft notwendig.

Praxistipp: EPO-Injektionen können nach Einweisung zu Hause vom Besitzer verabreicht werden.

Dehydration

(Austrocknung, Flüssigkeitsmangel)Symptom

Flüssigkeitsmangel entsteht bei CNI durch die eingeschränkte Wasserrückresorption der Nieren sowie durch Erbrechen und mangelnde Trinkmenge. Klinische Zeichen: nachlassende Hautelastizität (Hautturgor), trockene/klebrige Mundschleimhäute, eingesunkene Augen, Schwäche. Dehydration verstärkt die Nierenbelastung.

Praxistipp: Subkutane Infusionen (s.c. Infusionen) können zu Hause durchgeführt werden, nachdem Sie von Ihrem Tierarzt eingewiesen wurden.

Dialyse

(Hämodialyse, Peritonealdialyse)Diagnose

Dialyse ist ein Verfahren, das die Nierenfiltration künstlich ersetzt. In der Veterinärmedizin ist sie selten verfügbar und sehr kostenintensiv — wird hauptsächlich bei akutem Nierenversagen eingesetzt. Für chronische CNI bei Hunden istDialyse in der Praxis keine etablierte Therapieoption in Deutschland.

Verwandt:cniuraemie

E

Erbrechen und Übelkeit

(Vomitus, Übelkeit)Symptom

Häufiges Erbrechen bei CNI-Hunde entsteht durch Urämie (Anreicherung von Harnstoff und anderen Toxinen), Magengeschwüre durch erhöhte Salzsäureproduktion und Motilitätsstörungen. Erbrechen führt zu Dehydration und verstärkt den Kreislauf.

Praxistipp: Magenantazida (Omeprazol, Famotidin) und Antiemetika können helfen. Mehr als 2× tägliches Erbrechen erfordert tierärztliche Beurteilung.

Euthanasie (Einschläferung)

(Euthanasie, Sterbehilfe, Erlösung)Diagnose

Die veterinärmedizinische Euthanasie ist ein schmerzfreier Tod durch intravenöse Injektion eines Barbiturat-Überdosierungsmittels. Sie gilt als letzter Liebesbeweis, wenn Leiden nicht mehr beherrschbar ist und schlechte Tage überwiegen. Die Entscheidung ist schwer und zutiefst persönlich — Tierärzte begleiten Sie dabei einfühlsam.

Praxistipp: Viele Tierarztpraxen bieten Hausbesuche an, sodass Ihr Hund in ihrer vertrauten Umgebung einschlafen kann. Fragen Sie danach.

F

Famotidin (H2-Blocker)

(H2-Blocker, H2-Antagonist)Medikament

Famotidin ist ein H2-Rezeptorenblocker, der die Magensäureproduktion reduziert. Es wird als Alternative zu Omeprazol bei urämischer Gastritis eingesetzt. Gut verträglich bei Hunden. Neuere Studien zeigen, dass Omeprazol wirksamer als Famotidin bei Hunden seinkann.

Feuchtigkeit im Futter

(Wassergehalt, Nassfutter vs. Trockenfutter)Ernährung

Der Wassergehalt von Nassfutter beträgt typischerweise 75–82 %, der von Trockenfutter ca. 8–12 %. Für CNI-Hunde wird Nassfutter empfohlen, da es die Gesamtflüssigkeitszufuhr erhöht und die Nieren entlastet. Trockenfutter kann die Dehydration bei CNI-Hunde verstärken.

Praxistipp: CNI-Hunde sollten möglichst ausschließlich Nassfutter erhalten. Wenn Trockenfutter unvermeidbar ist, reichern Sie das Wasser über separate Trinkquellen an.

G

GFR (Glomeruläre Filtrationsrate)

(Glomeruläre Filtrationsrate)Laborwert

Die GFR beschreibt, wie viel Blut pro Minute durch die Nierenfilter (Glomeruli) gefiltert wird. Sie ist das direkteste Maß der Nierenfunktion. Da die direkte GFR-Messung aufwändig ist, wird sie üblicherweise indirekt über Kreatinin oder SDMA abgeschätzt. Normalwert Hund: ca. 2–3 ml/min/kg.

H

Hämatokrit (HKT)

(HKT, PCV, Packed Cell Volume)Laborwert

Der Hämatokrit gibt den prozentualen Anteil der roten Blutkörperchen am Gesamtblutvolumen an. Normalwert Hund: 24–45 %. Bei renaler Anämie ist der HKT oft auf 15–22 % erniedrigt. Werte unter 15 % erfordern medizinische Intervention.

Praxistipp: Blässe des Zahnfleisches, Schwäche und schnelle Ermüdung können auf eine Anämie hinweisen. Regelmäßige HKT-Kontrollen sind bei CNI-Hunde empfohlen.

Harnstoff (BUN)

(BUN, Blood Urea Nitrogen, Blutharnstoff)Laborwert

Harnstoff entsteht beim Eiweißabbau und wird über die Nieren ausgeschieden. Ein erhöhter BUN weist auf eingeschränkte Nierenfunktion oder hohe Proteinzufuhr hin. Referenzbereich Hund: 5,7–12,9 mmol/l. Bei CNI steigt der BUN durch die verminderte Ausscheidung an und trägt zur Urämie bei.

Praxistipp: Ein hoher BUN bei gleichzeitig erhöhtem Kreatinin weist fast immer auf eine Nierenerkrankung hin. Ein hoher BUN ohne erhöhtes Kreatinin kann auch durch proteinreiche Ernährung verursacht sein.

Hyperphosphatämie

(erhöhter Phosphorspiegel)Diagnose

Zu hoher Phosphorspiegel im Blut (> 1,94 mmol/l bei Hunden). Tritt häufig bei CNI ab Stadium II auf. Fördert Mineralablagerungen in Nierengewebe, beschleunigt CNI-Progression und führt zu sekundärem Hyperparathyreoidismus mit Knochenstoffwechselstörungen.

Praxistipp: Die Kombination aus phosphorarmer Diätnahrung und Phosphatbindern ist die effektivste Therapie zur Phosphorkontrolle.

Hypertensive Retinopathie

(Retinopathie, Netzhautablösung)Diagnose

Eine durch anhaltend hohen Blutdruck verursachte Schädigung der Netzhaut (Retina). Bei Hunde kann hoher Blutdruck innerhalb von Stunden zu einer Netzhautablösung und plötzlicher Erblindung führen. Warnsignale sind erweiterte Pupillen (Mydriasis), Orientierungslosigkeit und Laufen gegen Gegenstände.

Praxistipp: Bluthochdruck ist ein medizinischer Notfall. Wenn Ihr Hund plötzlich gegen Möbel läuft oder die Pupillen stark geweitet sind, suchen Sie sofort einen Tierarzt auf.

Hypertonie (Bluthochdruck)

(Bluthochdruck, systemische Hypertension)Diagnose

Bluthochdruck tritt bei über 60 % der CNI-Hunde auf und ist eine häufige Folgeerkrankung. Anhaltend erhöhter Blutdruck schädigt empfindliche Gefäße in Augen, Nieren, Herz und Gehirn. Die Klassifikation erfolgt nach Risikogruppen: < 140 mmHg = geringes Risiko, 140–159 mmHg = moderates Risiko, 160–179 mmHg = hohes Risiko, ≥ 180 mmHg = sehr hohes Risiko (hypertensive Krise).

Praxistipp: Bluthochdruck kann zur plötzlichen Blindheit führen (hypertensive Retinopathie). Bei jedem CNI-Kontrolltermin sollte der Blutdruck gemessen werden.

I

IRIS-Stadien der CNI

(IRIS, International Renal Interest Society)Diagnose

Die International Renal Interest Society (IRIS) hat ein international anerkanntes Stadiensystem für CNI entwickelt, das auf dem Kreatinin-Wert im Blut basiert. Stadium I (< 140 µmol/l): Nierenschädigung ohne Funktionsverlust. Stadium II (140–249 µmol/l): Leichte CNI. Stadium III (250–439 µmol/l): Moderate CNI. Stadium IV (≥ 440 µmol/l): Schwere CNI. Jedes Stadium wird zusätzlich nach Proteinurie und Blutdruck unterteilt.

Praxistipp: Das IRIS-Stadium hilft Ihrem Tierarzt, die Therapie anzupassen und die Prognose abzuschätzen. Fragen Sie aktiv nach dem Stadium Ihrem Hund.

K

Kalium

(K+, Hypokaliämie, Hyperkaliämie)Laborwert

Kalium ist ein wichtiger Elektrolyt, der Nerven- und Muskelfunktion reguliert. Bei CNI kommt es häufig zu Hypokaliämie (Kaliummangel), was zu Muskelschwäche, Krämpfen und Herzrhythmusstörungen führen kann. Referenzbereich Hund: 3,5–5,8 mmol/l. Kaliumergänzung ist bei Werten unter 3,5 mmol/l oft notwendig.

Praxistipp: Kaliumchlorid-Gel (z. B. Tumil-K) kann als Ergänzung ins Futter gemischt werden. Dosierung immer mit dem Tierarzt abstimmen.

Kaliumergänzung

(Tumil-K, Kaliumergänzung, Kalinase)Medikament

Bei Hypokaliämie (Kaliummangel) werden Kaliumpräparate wie Kaliumchlorid oder Kaliumzitrat zum Futter gegeben. Tumil-K ist ein häufig verwendetes Gel. Die Dosierung richtet sich nach dem Kalium-Blutwert und muss regelmäßig kontrolliert werden.

Kreatinin

(Creatinine, sCr)Laborwert

Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels, das ausschließlich über die Nieren ausgeschieden wird. Ein erhöhter Kreatinin-Wert im Blut weist auf eine eingeschränkte Nierenfiltration (GFR) hin. Referenzbereich Hund: 71–177 µmol/l. Kreatinin ist jedoch erst erhöht, wenn mehr als 75 % der Nierenfunktion verloren gegangen sind.

Praxistipp: Kreatinin allein reicht nicht aus — es muss immer zusammen mit SDMA, Urinbefund und klinischen Symptomen beurteilt werden.

L

Lebensqualität (QoL)

(QoL, Quality of Life, HHHHHMM)Diagnose

Die Lebensqualität beschreibt das subjektive Wohlbefinden und die Fähigkeit eines Tieres, ein artgerechtes Leben zu führen. Die HHHHHMM-Skala (Dr. Alice Villalobos) ist ein etabliertes Instrument zur regelmäßigen Einschätzung: Schmerz, Hunger, Hydration, Hygiene, Glück, Mobilität und Mehr gute als schlechte Tage werden je 0–10 bewertet (Maximum 70 Punkte).

M

Muskelschwäche und Kachexie

(Kachexie, Muskelatrophie, Muscle Wasting)Symptom

Fortschreitende Muskelschwäche und -abbau (Kachexie) sind häufige Folgen der CNI. Ursachen sind Appetitlosigkeit, Urämie, Kalziummangel und Proteinverlust über den Urin. Sichtbar wird der Muskelabbau besonders entlang der Wirbelsäule und an den Schultern.

Praxistipp: Regelmäßiges Wiegen und Beurteilung des Body Condition Scores (BCS) hilft, Muskelverlust früh zu erkennen.

Urämische Gastritis

(Urämische Gastritis, Gastritis, Magenulcus)Diagnose

Bei CNI können urämische Toxine und erhöhte Salzsäureproduktion zu Entzündungen und Geschwüren der Magen-Darm-Schleimhaut führen. Symptome sind Erbrechen (auch bluthaltig), Appetitlosigkeit und Zähneknirschen. Die Behandlung erfolgt mit Säureblockern (Omeprazol, Famotidin) und Schleimhautschutz.

N

Nierenbiopsie

(Biopsie, Gewebeprobe)Laborwert

Eine Nierenbiopsie ermöglicht die mikroskopische Untersuchung von Nierengewebe und erlaubt eine genaue Ursachenfindung (z. B. Glomerulonephritis, Amyloidose, polyzystische Nierenerkrankung). Sie wird unter Narkose ultraschallgeleitet durchgeführt. Das Risiko von Komplikationen ist gering, aber vorhanden (Blutung). Bei typischer CNI oft nicht notwendig.

Nierendiät (Renaldiät)

(Nierenfutter, Renaldiät, CNI-Futter)Ernährung

Speziell für CNI-Hunde entwickeltes Futter mit reduziertem Phosphorgehalt, moderatem Proteingehalt, angepasstem Kalium- und Natriumgehalt sowie oft erhöhtem Energiegehalt (Fett), um Gewichtsverlust entgegenzuwirken. Bekannte Produkte: Royal Canin Renal, Hill's k/d, Purina NF. Studien zeigen, dass Nierendiät die Überlebenszeit signifikant verlängert.

Praxistipp: Führen Sie Nierendiät schrittweise über 2–4 Wochen ein, um Akzeptanzproblemen vorzubeugen. Viele Hunde brauchen Zeit für den Wechsel.

Nierentransplantation

(Organtransplantation)Diagnose

Nierentransplantationen bei Hunden werden in einigen Universitätskliniken (hauptsächlich USA) durchgeführt, sind jedoch in Deutschland und Europa sehr selten und mit erheblichen ethischen, finanziellen und medizinischen Herausforderungen verbunden. Lebenslange Immunsuppression ist erforderlich. Kein Standardverfahren in der europäischen Veterinärmedizin.

Verwandt:cni

O

Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA)

(EPA, DHA, Fischöl)Ernährung

Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA), hauptsächlich aus Fischöl, haben entzündungshemmende Wirkungen und können die Nierenperfusion verbessern. Studien zeigen positive Effekte auf die Progressionsverlangsamung bei CNI-Hunde. Viele Nierendiäten sind bereits mit Omega-3-Fettsäuren angereichert.

Praxistipp: Hochdosiertes Fischöl kann die Phosphorzufuhr erhöhen. Sprechen Sie die Ergänzung mit Ihrem Tierarzt ab.

Omeprazol (Protonenpumpenhemmer)

(Gastroprotek, Protonenpumpenhemmer, PPI)Medikament

Omeprazol hemmt die Magensäureproduktion (Protonenpumpenhemmer) und schützt die Magenschleimhaut vor urämischen Schäden. Es reduziert Erbrechen und verbessert die Futteraufnahme. Typische Dosierung: 0,5–1 mg/kg einmal täglich oral. Verträglichkeit bei Hunden gut.

Originalsubstanz (OS)

(OS, As Fed, Frischsubstanz)Ernährung

Originalsubstanz bezeichnet den Nährstoffgehalt eines Futters so, wie es verfüttert wird — einschließlich des Wasseranteils. Die meisten Deklarationen auf Futtermittelverpackungen (EU-Pflichtangaben) werden auf OS angegeben. Für sinnvolle Vergleiche müssen OS-Werte auf Trockensubstanz (TS) umgerechnet werden.

P

Palliativversorgung

(Palliativversorgung, hospice care)Diagnose

Palliativversorgung fokussiert auf Linderung von Beschwerden und Erhalt der Lebensqualität, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Bei fortgeschrittener CNI (Stadium III–IV) verschiebt sich das Ziel von lebensverläng­ernden Maßnahmen hin zu Komfort, Schmerzfreiheit und Lebensqualität. Dazu gehören Schmerztherapie, Unterstützungsfütterung und Entscheidungen zum „richtigen Zeitpunkt".

Phosphatbinder

(Aluminium-Hydroxid, Lanthancarbonat, Renalzin, Epakitin)Medikament

Phosphatbinder werden zum Futter gemischt und binden Phosphor im Darm, bevor er ins Blut aufgenommen werden kann. Dadurch wird die Hyperphosphatämie kontrolliert. Gängige Substanzen: Aluminium-Hydroxid, Calciumcarbonat, Lanthancarbonat (Renalzin), Chitosan-basiert (Epakitin). Die Wahl richtet sich nach dem Kalziumgehalt im Blut.

Praxistipp: Phosphatbinder müssen direkt ins Futter gemischt werden — nur so wirken sie effektiv. Die Dosierung muss regelmäßig angepasst werden.

Phosphor (Blutbefund)

(Phosphat, P im Blut)Laborwert

Phosphor ist ein wichtiges Mineral, das bei CNI aufgrund eingeschränkter Nierenausscheidung im Blut ansteigen kann (Hyperphosphatämie). Erhöhter Phosphorspiegel beschleunigt die Progression der CNI erheblich (Nephrokalzinose) und ist mit verkürzter Überlebenszeit assoziiert. Referenzbereich Hund: 0,81–1,94 mmol/l.

Praxistipp: Phosphorkontrolle ist eine der wichtigsten Therapiemaßnahmen bei CNI. Phosphorarme Diät und ggf. Phosphatbinder werden eingesetzt.

Phosphor im Futter

(Phosphorgehalt, Phosphorkontrolle)Ernährung

Phosphor ist in tierischen Proteinen reichlich enthalten und wird bei CNI-Hunde eingeschränkt. Diätfutter für Nierenkranke enthält deutlich weniger Phosphor als handelsübliches Futter. Die Phosphorkonzentration wird auf Trockensubstanz (TS) angegeben, um verschiedene Feuchtigkeitsgehalte vergleichbar zu machen. Empfehlung CNI: < 0,5 % TS (empfohlen), 0,5–1,0 % TS (bedingt geeignet), > 1,0 % TS (nicht empfohlen).

Praxistipp: Achten Sie beim Futterkauf auf die Angabe auf Trockensubstanz (TS), nicht auf Originalsubstanz (OS) — nur so ist ein fairer Vergleich möglich.

PKD – Polyzystische Nierenerkrankung

(Polyzystische Nierenerkrankung, Polycystic Kidney Disease)Diagnose

PKD ist eine erbliche Erkrankung, bei der sich in den Nieren zahlreiche Zysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume) bilden, die gesundes Nierengewebe verdrängen. Bei Hunden gilt insbesondere der Cairn Terrier und der Bullterrier als prädisponiert. Die Zysten sind mittels Ultraschall erkennbar. PKD führt langfristig zur chronischen Niereninsuffizienz.

Polydipsie und Polyurie (PU/PD)

(Polyurie, PU/PD, vermehrtes Trinken)Symptom

Polydipsie (vermehrtes Trinken) und Polyurie (vermehrtes Urinieren) treten häufig zusammen auf und sind eines der frühesten und häufigsten Zeichen einer CNI. Die erkrankten Nieren können Wasser nicht mehr effizient rückresorbieren, was zu großen Urinmengen und kompensatorisch erhöhter Trinkmenge führt.

Praxistipp: Messen Sie die Trinkmenge Ihrem Hund: mehr als 100 ml pro kg Körpergewicht täglich gilt als erhöht und sollte tierärztlich abgeklärt werden.

Protein in der CNI-Diät

(Eiweiß im Futter, Proteingehalt, Eiweißrestriktion)Ernährung

Die Proteinmenge in der CNI-Diät ist umstritten: Zu viel Protein erhöht den Harnstoff (BUN) und belastet die Nieren; zu wenig Protein führt zu Muskelschwund (Kachexie). Aktuelle Empfehlung (IRIS): Qualitativ hochwertiges, gut verdauliches Protein in moderater Menge, aber keine strenge Restriktion — besonders nicht im Stadium I–II. Schwerpunkt liegt auf Phosphorreduzierung.

Praxistipp: Mageres Huhn oder Pute, Kaninchen und Wildfleisch sind proteinreich aber vergleichsweise phosphorarm — eine sinnvolle Kombination für CNI-Hunde.

Proteinurie (Eiweiß im Urin)

(UPC, Urin-Protein-Kreatinin-Quotient)Laborwert

Gesunde Nieren halten Proteine im Blut zurück. Bei Nierenschäden gelangt Eiweiß in den Urin (Proteinurie). Der UPC-Quotient misst das Verhältnis von Protein zu Kreatinin im Urin. Normwert Hund: < 0,2. Werte über 0,4 gelten als klinisch relevant (Proteinurie). Proteinurie beschleunigt die CNI-Progression und ist ein Risikofaktor für kürzere Überlebenszeiten.

Praxistipp: Proteinurie wird durch ACE-Hemmer (z. B. Benazepril) oder Sartane behandelt. Bitte fragen Sie Ihren Tierarzt nach dem UPC-Wert.

PTH – Parathormon

(Parathormon, Hyperparathyreoidismus)Laborwert

Parathormon (PTH) reguliert den Kalzium- und Phosphorhaushalt. Bei CNI steigt PTH reaktiv an (sekundärer Hyperparathyreoidismus), um Phosphor über die Nieren auszuscheiden. Langfristig erhöhte PTH-Werte schädigen jedoch weitere Organe (Herz, Nervensystem, Knochen) und beschleunigen die CNI-Progression.

S

SDMA (Symmetrisches Dimethylarginin)

(Symmetrisches Dimethylarginin)Laborwert

SDMA ist ein neuerer, sensitiver Biomarker für die Nierenfunktion. Er steigt bereits an, wenn ca. 25–40 % der Nierenfunktion verloren gegangen sind — deutlich früher als Kreatinin. Referenzbereich: < 14 µg/dl. SDMA ermöglicht eine Frühdiagnose der CNI und ist weniger von der Muskelmasse abhängig als Kreatinin.

Praxistipp: SDMA ist besonders wertvoll für die Früherkennung bei jungen oder sehr mageren Hunde, bei denen Kreatinin trotz beginnender CNI noch normal sein kann.

Subkutane Infusion (Heiminfusion)

(Heiminfusion, s.c. Infusion, Ringer-Laktat)Medikament

Subkutane Infusionen (unter die Haut) werden eingesetzt, um Dehydration bei CNI-Hunde zu behandeln. Übliche Lösungen: Ringer-Laktat oder isotone Kochsalzlösung. Die Flüssigkeit wird unter die Haut am Nacken oder Rücken injiziert und langsam vom Körper aufgenommen. Viele Besitzer lernen die Technik und führen sie zu Hause durch (typisch: 100–200 ml täglich oder mehrfach wöchentlich).

Praxistipp: Lassen Sie sich vom Tierarzt oder einer Tierarzthelferin in die Technik einweisen. Viele Hunde tolerieren die Prozedur sehr gut.

T

Telmisartan (AT1-Blocker)

(Semintra, AT1-Blocker, Sartan)Medikament

Telmisartan ist ein Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonist (Sartan) und in Europa für Hunde zugelassen (Semintra). Es reduziert den renalen Filtrationsdruck, vermindert Proteinurie und wirkt blutdrucksenkend. Wird als Alternative oder Ergänzung zu ACE-Hemmern eingesetzt.

Trockensubstanz (TS)

(TS, Dry Matter, DM)Ernährung

Die Trockensubstanz beschreibt den Nährstoffgehalt eines Futters ohne den Wasseranteil. Für den Vergleich von Nass- und Trockenfutter oder verschiedenen Nassftuttern mit unterschiedlichem Wassergehalt müssen Nährstoffangaben immer auf Trockensubstanz umgerechnet werden. Formel: Nährstoff TS % = Nährstoff OS % / (1 – Feuchtigkeit % / 100).

Praxistipp: Ein Nassfutter mit 0,20 % Phosphor bei 80 % Feuchtigkeit enthält auf TS 1,0 % Phosphor — also deutlich mehr als es auf den ersten Blick erscheint.

U

Urämie

(urämische Krise)Diagnose

Urämie bezeichnet die Anhäufung harnpflichtiger Substanzen (Harnstoff, Kreatinin, organische Säuren) im Blut, die normalerweise von den Nieren ausgeschieden werden. Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Apathie, urämischer Mundgeruch (fischig/ammoniakartig) und im Extremfall Bewusstseinstrübung (urämisches Koma).

Praxistipp: Urämischer Atemgeruch bei Ihrem Hund ist ein dringliches Warnsignal. Bitte konsultieren Sie umgehend einen Tierarzt.

Urinspezifisches Gewicht (USG)

(USG, Urinkonzentration)Laborwert

Das urinspezifische Gewicht misst die Fähigkeit der Nieren, konzentrierten Urin zu produzieren. Normwerte Hund: 1.035–1.060. Bei CNI sinkt das USG (Isosthenurie: 1.008–1.012), da die Nieren Wasser nicht mehr effizient rückresorbieren können. Verdünnter Urin (<1.030) gilt bei Hunden alsHinweis auf Nierenfunktionsverlust.