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SDMA-Wert bei Hunden: Der sensible Früherkennungsmarker für Nierenerkrankungen

Von Bellobasis Redaktion · 15. Februar 2026 · 6 Min. Lesezeit

Was ist SDMA?

SDMA steht für Symmetrisches Dimethylarginin — eine Aminosäure, die im Körper als Nebenprodukt des Proteinstoffwechsels entsteht und fast ausschließlich über die Nieren ausgeschieden wird. Wenn die Nierenfunktion nachlässt, steigt der SDMA-Spiegel im Blut an.

SDMA ist seit ca. 2016 als Nierenmarker in der Veterinärmedizin etabliert — seitdem hat es die Diagnose von Nierenerkrankungen bei Hunden grundlegend verändert. Denn während das bisher standard-mäßig genutzte Kreatinin erst ansteigt, wenn bereits ca. 75 % der Nierenfunktion verloren gegangen sind, reagiert SDMA bereits bei einem Funktionsverlust von etwa 25–40 % — also deutlich früher.

Warum ist frühere Erkennung so wichtig?

Je früher eine Nierenerkrankung erkannt wird, desto früher kann mit Maßnahmen begonnen werden, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen:

  • Umstellung auf phosphorarmes Nierendiätfutter
  • Optimierung der Flüssigkeitszufuhr
  • Regelmäßige Blutdruckkontrolle
  • Engmaschige Verlaufskontrollen

In IRIS Stadium 1 — wenn SDMA bereits erhöht, Kreatinin aber noch normal ist — haben die Nieren noch erhebliche Restkapazität. Therapeutische Maßnahmen in diesem Stadium können die Lebenserwartung um Jahre verlängern.

Referenzwerte und Interpretation

  • Normalbereich: 0–14 µg/dl
  • Grenzwertig erhöht: 15–17 µg/dl — erste Hinweise, Verlaufskontrolle empfohlen
  • IRIS Stadium 1-Hinweis: ≥ 18 µg/dl (bei gleichzeitig normalem Kreatinin)
  • IRIS Stadium 2: 25–38 µg/dl
  • IRIS Stadium 3: 38–54 µg/dl
  • IRIS Stadium 4: > 54 µg/dl

Wichtig: Ein erhöhter SDMA-Wert allein ist noch kein Beweis für CNI. Er sollte immer im Kontext weiterer Laborwerte (Kreatinin, Harnstoff, Urinspezifisches Gewicht) und klinischer Befunde interpretiert werden.

Vorteile von SDMA gegenüber Kreatinin

Unabhängig von der Muskelmasse

Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels — bei sehr schlanken, muskelarmen Hunde (was bei CNI-Hunde häufig vorkommt) ist der Kreatininwert oft trotz fortgeschrittener Nierenerkrankung normal. SDMA ist unabhängig von der Muskelmasse und daher bei kachektischen (mageren) Hunde der zuverlässigere Marker.

Frühere Erkennung

SDMA schlägt früher an — das ist der entscheidende klinische Vorteil. Insbesondere im IRIS Stadium 1 ist SDMA der einzige Blutparameter, der auf eine Nierenfunktionseinschränkung hinweisen kann.

Stabilere Werte

Kreatinin kann nach einer eiweißreichen Mahlzeit oder nach intensiver Bewegung kurzfristig ansteigen. SDMA zeigt diese kurzfristigen Schwankungen deutlich weniger stark — die Werte sind stabiler und repräsentativer für die langfristige Nierenfunktion.

Wann wird SDMA gemessen?

SDMA ist heute standardmäßiger Bestandteil der meisten modernen Blutuntersuchungspanels in Tierarztpraxen, die mit dem IDEXX SDMA-Test oder vergleichbaren Analysegeräten arbeiten. Es wird bei:

  • Jährlichen Vorsorgeuntersuchungen ab dem 7. Lebensjahr
  • Bekannter CNI (dann alle 3–6 Monate)
  • Unspezifischen Symptomen wie Gewichtsverlust, erhöhtem Trinken, Lethargie
  • Vor Narkosen bei älteren Hunde

SDMA und die IRIS-Leitlinien

Die IRIS (International Renal Interest Society) hat SDMA seit 2016 offiziell in ihr Staging-System integriert. Ein dauerhaft erhöhter SDMA-Wert ≥ 18 µg/dl gilt als Hinweis auf IRIS Stadium 1 — selbst wenn Kreatinin noch unauffällig ist. Das macht SDMA zu einem unverzichtbaren Bestandteil der modernen CNI-Diagnostik.

Fragen Sie bei der nächsten Routinekontrolle Ihrem Hund aktiv nach dem SDMA-Wert — insbesondere wenn Ihr Hund älter als 7 Jahre ist oder Risikofaktoren für Nierenerkrankungen aufweist.

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