Haltung

Subkutane Infusion bei Hunden: Schritt-für-Schritt-Anleitung für zu Hause

Von Bellobasis Redaktion · 8. Januar 2026 · 10 Min. Lesezeit

Warum subcutane Infusionen bei CNI notwendig werden

In den fortgeschrittenen Stadien der chronischen Niereninsuffizienz (IRIS Stadium 3–4) reicht die Flüssigkeitszufuhr über Futter und Trinkwasser oft nicht mehr aus, um eine ausreichende Hydrierung sicherzustellen. Erkrankte Nieren produzieren große Mengen verdünnten Urins — der Körper verliert dadurch deutlich mehr Flüssigkeit als er über normale Wege aufnehmen kann.

Die subcutane Infusion (Flüssigkeitsgabe unter die Haut) ist die Lösung: Eine isotone Kochsalz- oder Ringerlaktat-Lösung wird direkt unter die Nackenhaut injiziert, wo sie sich langsam ins Gewebe verteilt und ins Blut aufgenommen wird. Das klingt beängstigend — ist aber nach einer kurzen Einweisung durch Ihren Tierarzt für die meisten Hundehalter sicher und zuverlässig durchführbar. Viele Hunde tolerieren die Infusionen nach einigen Übungen vollständig entspannt.

Wann ist eine Heiminfusion geeignet?

  • Ihr Tierarzt hat ausdrücklich eine Heiminfusionstherapie empfohlen
  • Sie wurden praktisch eingewiesen und haben die erste Infusion unter Aufsicht durchgeführt
  • Ihr Hund zeigt chronische Dehydration (positiver Hautfaltentest, gesunkene Urinausscheidung)
  • Reguläre Infusionen in der Praxis sind aufgrund von Entfernung oder Stress für der Hund nicht praktikabel

Wichtig: Beginnen Sie niemals ohne tierärztliche Anweisung mit Heiminfusionen. Der Flüssigkeitstyp, die Menge und die Häufigkeit werden individuell auf Ihr Hund abgestimmt.

Das benötigte Material

  • Infusionslösung: In der Regel NaCl 0,9 % (isotone Kochsalzlösung) oder Ringerlaktat — verschreibungspflichtig, vom Tierarzt verordnet
  • Infusionsbesteck: Sterile Einmal-Infusionssets (mit Rollenklemme)
  • Kanülen: Einmal-Injektionsnadeln, meist 19–21 Gauge (G) — je dicker die Nadel (niedrigere G-Zahl), desto schneller fließt die Lösung
  • Desinfektionsmittel: Hautdesinfektionsspray oder -tücher (z.B. Octenisept)
  • Wärmequelle: Wärmeflasche oder Wärme-Pad zum Vorwärmen der Infusionslösung auf Körpertemperatur
  • Protokollheft: Für Menge, Datum und Reaktion des Hundes

Vorbereitung: So beginnen Sie richtig

  1. Hände waschen — gründlich mit Seife für mindestens 20 Sekunden
  2. Infusionslösung anwärmen — auf ca. 37 °C bringen (Wasserbad oder Wärme-Pad). Kalte Lösung ist unangenehm und erhöht die Abwehr des Hundes
  3. Infusionsbesteck anschließen — Schutzkappe vom Flaschenstopfen entfernen, Einlassdorn des Infusionssets steril einführen, Klemme schließen, Tropfkammer halbvoll drücken, Schlauch luftfrei spülen
  4. Hund positionieren: Auf einer rutschfesten Unterlage (Handtuch) in einer ruhigen, vertrauten Umgebung. Viele Besitzer führen die Infusion durch, während der Hund auf dem Schoß liegt oder sein Lieblingsfutter bekommt
  5. Kanüle vorbereiten — Schutzkappe erst unmittelbar vor der Injektion abnehmen

Durchführung: Schritt für Schritt

1. Die richtige Einstichstelle finden

Die Nackenfalte (Bereich zwischen den Schulterblättern, Nackenfell) ist die Standardeinstichstelle. Heben Sie die Haut mit Daumen und Zeigefinger zu einer Falte an — sie sollte sich leicht und locker abheben lassen. Wenn das Fell an dieser Stelle knotig oder vernarbt wirkt, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über alternative Stellen (seitliche Flanke).

2. Desinfizieren

Sprühen oder wischen Sie die Einstichstelle kurz mit Desinfektionsmittel ab und lassen Sie es kurz einwirken.

3. Kanüle einführen

Halten Sie die Kanüle in einem flachen Winkel von ca. 15–30 Grad zur Hautoberfläche — Schrägschliff der Nadel nach oben zeigend. Führen Sie die Kanüle zügig und bestimmt durch die Haut in den Unterhautbereich. Ein leichtes Widerstandsgefühl und dann ein kurzes Nachlassen zeigen die korrekte Position an. Nicht zu tief einstechen — Sie wollen den Unterhautbereich, nicht die Muskulatur.

4. Korrekte Lage prüfen

Öffnen Sie die Rollenklemme langsam. Wenn die Lösung fließt und sich eine kleine Blase unter der Haut bildet — korrekte Position. Wenn die Tropfkammer sich nicht bewegt oder der Hund stark protestiert, möglicherweise Fehllage — Kanüle leicht zurückziehen und neu positionieren.

5. Infusion laufen lassen

Regulieren Sie die Tropfgeschwindigkeit auf ca. 1 Tropfen pro Sekunde (ca. 60 Tropfen/min = ca. 180 ml/h bei Standard-Infusionssets). Die typische Menge für eine CNI-Hund liegt bei 100–200 ml pro Infusion — genau nach tierärztlicher Anweisung. Die Blase unter der Haut wird sichtbar größer — das ist normal und resorbiert sich im Laufe einiger Stunden.

6. Abschluss

Klemme schließen, Kanüle zügig und gerade herausziehen. Einstichstelle kurz mit einem sauberen Tupfer abdecken. Kanüle sofort in den Sharps-Container entsorgen (niemals wiederverwenden). Menge und Datum dokumentieren.

Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden

  • Zu kalte Lösung: Hund wehrt sich, Schmerzen — immer vorwärmen
  • Zu schnelle Infusion: Kann Husten oder Atemnot auslösen — auf maximale Rate achten
  • Kanüle in die Muskulatur: Starker Schmerz, Blutung möglich — flacheren Winkel wählen
  • Immer dieselbe Stelle: Führt zu Verhärtungen — Einstichstelle wöchentlich wechseln
  • Nadel wiederverwenden: Erhöhtes Infektionsrisiko, Schmerzen durch stumpfe Nadel — immer neue Kanüle
  • Zu viel Flüssigkeit: Überhydration möglich — nur verschriebene Menge

Nachsorge und Beobachtung

Nach der Infusion kann die Flüssigkeitsblase im Nacken 1–4 Stunden lang sichtbar sein — das ist vollkommen normal und kein Grund zur Sorge. Beobachten Sie Ihr Hund nach der Infusion auf folgende Warnsignale, die einen Tierarztanruf erfordern:

  • Atemnot oder rasches Atmen nach der Infusion
  • Starke Schwellung, die nicht innerhalb von 4–6 Stunden abklingt
  • Rötung, Wärme oder Eiter an der Einstichstelle (Infektionszeichen)
  • Hund ist nach der Infusion deutlich schlechter als vorher

Führen Sie ein Infusionsprotokoll: Datum, Menge, Reaktion des Hundes. Diese Aufzeichnungen helfen Ihrem Tierarzt, die Therapie anzupassen.

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