Ernährung

Übergewicht bei Hunden: Ursachen, Risiken und die richtige Abnehmstrategie

Von Bellobasis Redaktion · 17. März 2025 · 8 Min. Lesezeit

Das stille Gesundheitsproblem: Übergewicht bei Hunden

Übergewicht ist das häufigste ernährungsbedingte Gesundheitsproblem bei Haushunde. Studien aus Großbritannien und den USA zeigen, dass zwischen 40 und 60 % aller Haushunde übergewichtig oder adipös sind. In Deutschland ist die Situation ähnlich. Besonders gefährdet sind kastrierte Wohnungshunde, die wenig Bewegung haben und ad libitum (nach Bedarf) gefüttert werden.

Besorgniserregend: Viele Besitzer erkennen das Übergewicht ihrer Hund nicht oder stufen es als „niedlich" ein. Dabei erhöht Adipositas das Risiko für Diabetes mellitus, Gelenkerkrankungen (Arthritis), Harnsteine, Herzprobleme, Leberlipidose und verkürzt nachweislich die Lebenserwartung.

Wie erkennen Sie Übergewicht bei Ihrem Hund?

Body Condition Score (BCS)

Der Body Condition Score (BCS) ist die Standard-Methode zur Beurteilung des Körpergewichts — unabhängig von Rasse und Größe. Er wird auf einer Skala von 1–9 bewertet:

  • BCS 1–3: Untergewicht (Rippen, Hüftknochen stark sichtbar und tastbar)
  • BCS 4–5: Idealgewicht (Rippen leicht tastbar, keine sichtbare Fettschicht, Taille erkennbar)
  • BCS 6–7: Übergewicht (Rippen schwer tastbar, Taille kaum erkennbar, Bauch hängt leicht)
  • BCS 8–9: Adipositas (Rippen nicht tastbar, kein Taillenverlauf, deutlich hängender Bauch)

Versuchen Sie selbst: Legen Sie beide Hände flach auf die Seiten Ihrem Hund und üben Sie leichten Druck aus. Können Sie die Rippen fühlen, ohne drücken zu müssen? Dann hat Ihr Hund Idealgewicht. Wenn nicht, ist eine Gewichtsreduktion angebracht.

Ursachen für Übergewicht

  • Kastration: Verringert den Energiebedarf um ca. 20–30 %, erhöht gleichzeitig den Appetit
  • Ad-libitum-Fütterung: Freier Zugang zu Trockenfutter rund um die Uhr ist die häufigste Ursache
  • Zu wenig Bewegung: Wohnungshunde ohne Freigang verbrennen deutlich weniger Kalorien
  • Alter: Ältere Hunde sind weniger aktiv, aber der Grundumsatz sinkt kaum — Überernährung kumuliert
  • Snacks und Leckerchen: Ein Snack pro Tag kann bei kleinen Hunde 10–15 % des Tagesbedarfs ausmachen

Wie viel sollte Ihr Hund wiegen?

Das Idealgewicht hängt von Rasse, Geschlecht und Körperbau ab. Als grobe Orientierung gilt:

  • Kleine Rassen (Chihuahua, Zwergpinscher): 2–6 kg
  • Mittlere Rassen (Beagle, Cocker Spaniel): 10–15 kg
  • Große Rassen (Labrador, Schäferhund): 25–35 kg
  • Riesenrassen (Dogge, Bernhardiner): 50–80 kg ohne Übergewicht möglich

Lassen Sie das Idealgewicht Ihres Hundes von Ihrem Tierarzt bestimmen — das BCS-System (Body Condition Score) ist aussagekräftiger als eine reine Gewichtszahl.

Die richtige Abnehm-Strategie

Niemals abrupte Kalorienreduktion!

Hunde dürfen niemals auf Nulldiät gesetzt oder zu schnell kalorienreduziert werden. Eine zu schnelle Gewichtsabnahme kann zur hepatischen Lipidose (Leberverfettung) führen — eine lebensbedrohliche Erkrankung, bei der Fettreserven unkontrolliert in die Leber mobilisiert werden. Die sichere Abnahmerate beträgt maximal 1–2 % des Körpergewichts pro Woche.

Kalorienrechner und Portionskontrolle

Wiegen Sie das Futter mit einer Küchenwaage statt zu schätzen. Berechnen Sie den täglichen Kalorienbedarf Ihres Hundes (RER × Faktor 0,8 für Gewichtsabnahme). Fragen Sie Ihren Tierarzt nach einer konkreten Tagesportion in Gramm.

Diätfutter und optimierte Zusammensetzung

Spezielle Weight-Management-Futter (z.B. Royal Canin Satiety, Hill's Metabolic, Purina Pro Plan Weight Management) sind kalorienreduziert, haben aber mehr Protein und Ballaststoffe, um das Sättigungsgefühl zu verlängern. Nassfutter ist aufgrund des hohen Wassergehalts natürlich sättigend und kalorienärmer als Trockenfutter.

Mehrere kleine Mahlzeiten statt einer großen

Verteilen Sie die Tagesration auf 3–5 Mahlzeiten. Ein Futterautomat kann dabei helfen, wenn Sie tagsüber nicht zu Hause sind. Das verhindert Heißhunger und macht das Tier aktiver (Erwartungshaltung vor dem Futter).

Bewegung und mentale Stimulation

Spielen verbrennt Kalorien und macht satt. Tägliche 10–15 Minuten aktives Spielen mit einem Angel-Spielzeug erhöhen den Energieverbrauch und fördern die Muskelmasse. Futterpuzzles verlangsamen die Futteraufnahme und fördern die Bewegung.

Wann zum Tierarzt?

Konsultieren Sie Ihren Tierarzt, wenn Ihr Hund trotz Diät nicht abnimmt — das könnte auf eine zugrundeliegende Erkrankung wie Hypothyreose (selten bei Hunden) oder Cushing-Syndrom hinweisen. Ebenso bei jeder schnellen, ungeplanten Gewichtsabnahme, die ebenfalls ein Warnsignal ist.

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