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Blutwerte bei Hunden richtig lesen: Kreatinin, BUN und Phosphor

Von Bellobasis-Redaktion · 2. April 2024 · 8 Min. Lesezeit

Warum sind regelmäßige Blutwertkontrollen so wichtig?

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz sind Laborwerte das wichtigste Werkzeug zur Verlaufskontrolle. Sie zeigen, ob die Behandlung anschlägt, ob sich die Erkrankung stabilisiert oder fortschreitet — und ob Anpassungen bei Futter oder Medikamenten notwendig sind. Das Verständnis dieser Werte macht Sie zum aktiven Partner Ihres Tierarztes.

Kreatinin — das klassische Nierenmarker

Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels, das ausschließlich über die Nieren ausgeschieden wird. Steigt der Kreatininwert im Blut, bedeutet das: Die Nieren filtern nicht mehr ausreichend.

  • Normalbereich: 71–177 µmol/l (0,8–2,0 mg/dl)
  • IRIS Stadium 1: < 140 µmol/l
  • IRIS Stadium 2: 140–249 µmol/l
  • IRIS Stadium 3: 250–439 µmol/l
  • IRIS Stadium 4: ≥ 440 µmol/l

Wichtig: Kreatinin steigt erst an, wenn bereits ca. 75 % der Nierenkapazität verloren gegangen sind. Es ist daher kein Früherkennungsmarker, sondern ein Verlaufsparameter. Muskelschwache Hunde können trotz fortgeschrittener CNI einen normalen Kreatininwert haben.

SDMA — der frühe Marker

SDMA (Symmetrisches Dimethylarginin) ist ein neuerer, empfindlicherer Nierenmarker. Er steigt bereits an, wenn etwa 25 % der Nierenfunktion verloren gegangen sind — also viel früher als Kreatinin. SDMA ist zudem nicht von der Muskelmasse des Hundes abhängig und daher bei kachektischen (sehr schlanken) Tieren besonders wertvoll.

  • Referenzbereich: 0–14 µg/dl
  • Werte > 14 µg/dl deuten auf eine verminderte Nierenfunktion hin

BUN — Harnstoffstickstoff

BUN (Blood Urea Nitrogen) misst den Stickstoffanteil des Harnstoffs im Blut. Harnstoff entsteht beim Proteinabbau und wird über die Nieren ausgeschieden. Erhöhte BUN-Werte sind daher ein weiterer Hinweis auf eingeschränkte Nierenfunktion — können aber auch durch proteinreiche Ernährung, Fasten oder Dehydration beeinflusst werden.

  • Normalbereich: 7,1–10,7 mmol/l (20–30 mg/dl)
  • Bei CNI oft deutlich erhöht; starke Schwankungen möglich je nach letzter Mahlzeit

Phosphat — kritisch für das Fortschreiten der Erkrankung

Phosphat (anorganisches Phosphat / Pi) wird bei CNI schlechter ausgeschieden und reichert sich im Blut an. Hyperphosphatämie fördert aktiv den weiteren Nierenschaden und ist eng mit einer schlechteren Prognose verbunden.

  • Normalbereich: 0,81–1,94 mmol/l
  • Zielwerte je nach IRIS-Stadium (s. Ernährungsartikel)
  • Phosphatbinder können eingesetzt werden, wenn diätetische Maßnahmen nicht ausreichen

Hämatokrit und Hämoglobin — renale Anämie erkennen

Die Nieren produzieren Erythropoetin, einen Wachstumsfaktor für rote Blutkörperchen. Bei CNI sinkt die Erythropoetin-Produktion, was zu einer normozytären, normochromen Anämie führt. Zeichen sind Blässe der Schleimhäute, Schwäche und reduzierte Belastbarkeit.

  • Normaler Hämatokrit bei Hunden: 24–45 %
  • Bei CNI oft < 24 % — dann ggf. Erythropoetin-Therapie notwendig

Kalium — Hypokaliämie bei CNI

Viele nierenkranke Hunde verlieren durch die erhöhte Urinmenge auch Kalium. Ein Kaliummangel (Hypokaliämie) führt zu Muskelschwäche, die sich als Kopfhängen (zervikale Ventroflexion) äußern kann. Die Kontrolle und ggf. Supplementierung von Kalium ist daher Bestandteil einer vollständigen CNI-Behandlung.

Wie oft sollten Blutwerte kontrolliert werden?

  • IRIS Stadium 1–2: alle 6 Monate
  • IRIS Stadium 3: alle 3 Monate
  • IRIS Stadium 4: alle 1–3 Monate oder nach klinischem Bild

Führen Sie ein Verlaufsprotokoll der Blutwerte. So können Sie gemeinsam mit Ihrem Tierarzt Trends erkennen und frühzeitig reagieren — bevor eine akute Verschlechterung eintritt.

#Blutbild#Kreatinin#Nierenmarker

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