Gesundheit

Diabetes mellitus bei Hunden: Symptome, Diagnose und wie Sie Ihrem Hund helfen

Von Bellobasis Redaktion · 19. März 2025 · 9 Min. Lesezeit

Diabetes bei Hunden— häufiger als viele denken

Diabetes mellitus ist nach Hyperthyreose und Niereninsuffizienz eine der häufigsten chronischen Erkrankungen bei Hunden. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland etwa 1 von 200 bis 400 Hunden betroffen ist — wobei die Dunkelziffer aufgrund oft schleichender Symptome erheblich höher sein dürfte.

Die gute Nachricht: Mit konsequenter Behandlung können viele Hunde mit Diabetes ein beschwerdefreies Leben führen. Bei manchen Hunden — besonders wenn ein Progesteron-bedingter Diabetes vorlag — ist sogar eine dauerhafte Remission möglich, d.h. kein Insulin mehr notwendig.

Was passiert beim Diabetes?

Bei Hunden entwickelt sich in der Regel ein insulinabhängiger Diabetes (Typ 1-ähnlich): Die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse werden zerstört oder erschöpft — die Insulinproduktion bricht dauerhaft ein. Eine spontane Remission ist beim Hund selten; die meisten Hunde benötigen lebenslang Insulin. Bei Hündinnen kann auch ein durch Progesteron (Läufigkeit, Trächtigkeit) induzierter Diabetes auftreten, der nach Kastration reversibel sein kann. Die Folge in allen Fällen: Blutzucker steigt dauerhaft an, die Zellen werden nicht ausreichend mit Energie versorgt.

Risikofaktoren

  • Übergewicht / Adipositas (häufigster Risikofaktor)
  • Weibliches Geschlecht (Hündinnen erkranken etwas häufiger als Rüden)
  • Alter über 7–8 Jahre
  • Kastration (erhöhter Progesteronspiegel kann Insulinresistenz fördern)
  • Dauerhafte Kortison-Behandlung (z.B. bei Allergien)
  • Ernährung mit kohlenhydratreichem Trockenfutter
  • Bestimmte Rassen: Samojede, Australischer Terrier, Pudel und Zwergschnauzer sind prädisponiert

Symptome der Zuckerkrankheit bei Hunden

  • Polydipsie: Deutlich gesteigertes Trinken
  • Polyurie: Häufiges und reichliches Urinieren, oft außerhalb der Toilette
  • Polyphagie: Gesteigerter Hunger trotz Gewichtsverlust
  • Gewichtsverlust: Trotz normalem oder gesteigertem Appetit
  • Lethargie: Verminderte Aktivität, häufiges Schlafen
  • Katarakt (grauer Star): Hunde entwickeln bei Diabetes sehr häufig und rasch beidseitige Linsentrübungen — ein typisches und oft sehr früh auftretendes Zeichen eines entgleisten Blutzuckers
  • Struppiges, glanzloses Fell

Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch:

  • Blutzuckermessung: Nüchternwert > 16 mmol/l (289 mg/dl) deutet auf Diabetes hin — aber Vorsicht: Stress allein kann den Blutzucker bei Hunden vorübergehend stark erhöhen (Stresshyperglykämie)
  • Fruktosamin-Wert: Gibt den Durchschnittsblutzucker der letzten 2–3 Wochen an — nicht durch Stress beeinflussbar, zuverlässiger Marker
  • Urinzucker: Glukose im Urin ist ein Hinweis, aber kein Beweis

Behandlung: Insulin und mehr

Insulintherapie

Die meisten Diabeteshunde werden zweimal täglich mit Insulin subcutan (unter die Haut) injiziert — typischerweise mit dem Futter. Das am häufigsten eingesetzte Insulinpräparat für Hunde in Deutschland ist Caninsulin (Vetsulin) — ein Mittellang-Insulin, das zweimal täglich gegeben wird und gut auf den Hundeorganismus abgestimmt ist.

Die Dosierung wird individuell angepasst — Grundlage dafür ist eine Glukosekurve, bei der der Blutzucker über den Tag gemessen wird. Viele Besitzer lernen, diese zu Hause mit einem handelsüblichen Glukosemessgerät (z.B. AlphaTrak 2) durchzuführen.

Ernährungsumstellung: Kohlenhydratarm ist entscheidend

Hunde sind obligate Fleischfresser mit einem sehr eingeschränkten Kohlenhydratstoffwechsel. Eine kohlenhydratarme, proteinreiche Ernährung (möglichst < 10 % Kohlenhydrate in der Trockenmasse) verbessert die Insulinsensitivität erheblich und erhöht die Chance auf Remission. Nassfutter ist Trockenfutter deutlich vorzuziehen. Spezielle Diabetesdiäten sind erhältlich (z.B. Royal Canin Diabetic, Purina DM).

Gewichtsmanagement

Übergewicht ist der wichtigste reversible Risikofaktor. Jedes abgenommene Kilo verbessert die Insulinsensitivität und erhöht die Remissionschance. Gewichtsabnahme und Insulintherapie gehen Hand in Hand.

Remission: Selten, aber möglich

Eine vollständige Diabetesremission ist beim Hund insgesamt selten. Am ehesten tritt sie bei Hündinnen auf, deren Diabetes durch Progesteron (Läufigkeit oder Diestrus) ausgelöst wurde — nach Kastration kann sich die Bauchspeicheldrüse erholen und die Insulinproduktion wieder aufnehmen. In allen anderen Fällen ist eine lebenslange Insulintherapie die Regel. Regelmäßige Kontrollen bleiben in jedem Fall notwendig.

Hypoglykämie erkennen und handeln

Die größte Akutgefahr beim Diabetes ist eine Unterzuckerung (Hypoglykämie), ausgelöst durch zu viel Insulin oder Futterauslassen. Symptome: Zittern, Schwäche, Desorientiertheit, Krämpfe, Bewusstlosigkeit. Sofortmaßnahme: Honig, Glukosegel oder Zuckerwasser auf die Schleimhäute — dann sofort zum Tierarzt.

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