Gesundheit

Schilddrüsenerkrankungen bei Hunden: Hypothyreose erkennen und behandeln

Von Bellobasis Redaktion · 14. März 2025 · 8 Min. Lesezeit

Schilddrüse beim Hund: Überfunktion oder Unterfunktion?

Die weitaus häufigste Schilddrüsenerkrankung beim Hund ist die Hypothyreose — eine Unterfunktion, bei der die Schilddrüse zu wenig Hormon produziert. Hyperthyreose (Überfunktion) ist beim Hund dagegen sehr selten und entsteht fast nur durch Schilddrüsentumoren.

Schilddrüsenhormone (T3 und T4) steuern den Grundumsatz des gesamten Körpers. Zu wenig davon bremst den Stoffwechsel in allen Organen — mit vielfältigen und oft schleichenden Folgen.

Ursachen der Hypothyreose beim Hund

In über 95 % der Fälle entsteht die canine Hypothyreose durch eine lymphozytäre Thyreoiditis (autoimmune Entzündung der Schilddrüse) oder eine idiopathische Atrophie des Schilddrüsengewebes. Beide Prozesse führen zum schleichenden Verlust von hormonproduzierendem Gewebe. Bestimmte Rassen sind häufiger betroffen:

  • Golden Retriever
  • Dobermann
  • Irischer Setter
  • Boxer
  • Cocker Spaniel
  • Miniaturschnauzer

Die Erkrankung tritt meist zwischen dem 4. und 10. Lebensjahr auf. Beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen.

Typische Symptome der Hypothyreose

Da der Stoffwechsel in praktisch allen Körperbereichen gedrosselt wird, ist das Symptombild sehr vielfältig — und kann leicht mit Alterungsprozessen oder anderen Erkrankungen verwechselt werden:

  • Gewichtszunahme ohne erhöhte Futteraufnahme — häufigstes und auffälligstes Zeichen
  • Lethargie und Trägheit: Der Hund ist weniger aktiv, schläft viel, wirkt antriebslos
  • Kälteempfindlichkeit: Der Hund sucht Wärme, friert leicht
  • Fellveränderungen: Trockenes, stumpfes Fell, symmetrischer Haarausfall (besonders Flanken und Rücken), ohne Juckreiz
  • Hautverdickung (Myxödem), besonders im Gesicht — typischer „tragischer Gesichtsausdruck"
  • Bradykardie: Verlangsamter Herzschlag
  • Reproduktionsstörungen: Unregelmäßige Läufigkeit bei Hündinnen
  • Neurologische Symptome (bei fortgeschrittener Erkrankung): Periphere Neuropathie, Vestibularsyndrom

Wichtig: Keines dieser Symptome ist allein beweisend — erst die Kombination mehrerer Zeichen zusammen mit auffälligen Laborwerten bestätigt die Diagnose.

Diagnose: Schilddrüsenwerte im Blut

Die Diagnose erfolgt über eine Blutuntersuchung. Folgende Parameter werden bestimmt:

  • Gesamt-T4 (Thyroxin): Der Screening-Test. Ein niedriger Wert ist verdächtig, aber nicht allein beweisend — T4 kann durch andere Erkrankungen oder Medikamente (v.a. Glukokortikoide, Sulfonamide) gesenkt sein (sogenanntes „euthyroides Krankheitssyndrom").
  • Freies T4 (fT4): Genauerer Marker, weniger durch andere Erkrankungen beeinflusst. Wird meist per Equilibrium-Dialyse gemessen.
  • TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon): Bei Hypothyreose erhöht — der Körper versucht die Schilddrüse zur Mehrproduktion anzuregen. Erhöhtes TSH + niedriges fT4 = starker Hinweis auf echte Hypothyreose.

Ihr Tierarzt wird die Werte immer im Kontext des klinischen Bildes bewerten. Eine Einzelmessung reicht oft nicht — manchmal sind Verlaufskontrollen oder ein TSH-Stimulationstest notwendig.

Behandlung: Lebenslange Substitution mit L-Thyroxin

Die Behandlung ist einfach, günstig und sehr wirksam: Levothyroxin (L-Thyroxin) — das synthetisch hergestellte Schilddrüsenhormon — wird täglich oral verabreicht. In Deutschland sind Veterinärpräparate (z.B. Forthyron) sowie zugelassene Humanpräparate erhältlich.

  • Startdosis: Etwa 20 µg/kg Körpergewicht, einmal täglich (individuelle Anpassung notwendig)
  • Kontrolle: T4-Messung 4–6 Stunden nach Tabletteneinnahme, nach 4–8 Wochen — dann alle 6 Monate
  • Zielbereich T4: Im oberen Referenzbereich, 4–6 Stunden post-pill (2,5–3,5 µg/dl je nach Labor)
  • Verbesserung: Aktivität und Stimmung bessern sich oft innerhalb von Wochen; Fellveränderungen benötigen 3–6 Monate

Wichtig: Die Therapie ist lebenslang. Absetzen führt zum Rückfall. Gut eingestellte Hunde leben mit normaler Lebenserwartung und voller Lebensqualität.

Abgrenzung: Hyperthyreose beim Hund

Die Hyperthyreose (Überfunktion) tritt bei Hunden sehr selten auf und entsteht fast ausschließlich durch ein funktionelles Schilddrüsenkarzinom. Symptome sind dann das Gegenteil der Hypothyreose: Gewichtsverlust trotz gesteigertem Appetit, Unruhe, Herzrasen, Erbrechen. Bei Verdacht muss umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden — Schilddrüsentumoren können metastasieren.

Wann zum Tierarzt?

Konsultieren Sie Ihren Tierarzt, wenn Ihr Hund:

  • Ohne erkennbaren Grund zunimmt, obwohl Sie die Futtermenge nicht erhöht haben
  • Zunehmend träge, antriebslos oder kälteempfindlich wirkt
  • Fellverlust ohne Juckreiz zeigt, besonders symmetrisch an den Flanken
  • Zur einer der genannten Rassen gehört und das mittlere Lebensalter erreicht hat

Ein einfacher Bluttest gibt bereits erste Hinweise — und eine frühzeitige Diagnose erspart Ihrem Hund unnötiges Leiden.

#Hypothyreose#Schilddrüse#Hormonstörung#Seniorhund

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